Salam Aleikum und schokran zasilen!

14 Juni 2018

Marokko, das Tor zu Afrika! Selten zuvor hat eine Stadt wie Tanger uns so in ihren Bann gezogen. Gleich nach der Ankunft sprach uns ein Mann an. Wo wir herkommen würden? Brav hielten wir an und erteilten Auskunft. Idriss, so sein Name, schloss uns in die Arme und erzählte, dass er in Remscheid aufgewachsen ist. Mit 26 Jahren kam er dann zurück nach Marokko und lebt seit 1996 mit seiner Frau und seinen 4 Söhnen in Tanger. Er lud uns zum Tee ein. Wir hatten eh Zeit und nahmen dankend an. Es wurden lustige Stunden mit vielen Geschichten. Ich nutzte direkt die Gelegenheit, um mir von ihm die wichtigsten marokkanischen Wörter beibringen zu lassen. Sprachunterricht unter der Sonne Marokkos incl. schwarzem Tee mit Minze und viel Zucker, dazu Tagine und andere Köstlichkeiten. Besser kann der Einstieg auf einem neuen Kontinent doch gar nicht beginnen!

Tanger eine völlig andere Welt

Zu guter Letzt unterbreitete uns Idriss den Vorschlag, am nächsten Tag gemeinsam Tanger zu erkunden und kennenzulernen. Was sagt man dazu? Wir versprachen ihm, uns nach Absprache mit unserem Gastgeber zu melden und der Abschied fiel sehr warmherzig aus. Weiter zur Unterkunft, stellte sich Caolhfin dann als 19jähriger, sehr sympathischer Warmshower Host heraus. Alles war total unkompliziert. Wir durften ein Zimmer in der WG beziehen und Caolhfin kochte direkt für uns mit. Er absolviert sein Freiwilligen Jahr in Marokko und kann sowohl seine Sprachkenntnisse an einer Schule anbringen, als auch seine künstlerische Ader in Form von Wandmalereien ausleben. Wunderbar! Wir genossen den Abend und die Ruhe, denn auf den Straßen in Tanger ist Trubel mit einem dementsprechenden Lautstärkepegel angesagt. Caolhfin ging am nächsten Tag brav arbeiten und wir trafen uns mit Idriss. Er hielt sein Versprechen und zeigte uns Tanger von einer Seite, die wohl nicht jeder Fremde so kennenlernen darf. Wir waren sehr angetan. Am Abend folgte dann noch eine Einladung zum Couscous Essen mit seiner Familie. Uns war klar, dass es eine sehr hohe Ehre war, in das Haus von Idriss eingeladen zu werden. Danke dafür und für alle Dinge, die wir durch Dich, lieber Idriss, in dieser aufregenden, für uns so neuen Umgebung kennenlernen durften. Mit Caolhfin schlemmten wir uns abends durch die vorzügliche marokkanische Küche mit anschließenden Obstshake- Bomben, der Wahnsinn! Auch hier wurde uns von einem deutsch-marokkanischen Mann eine Einladung ausgesprochen mit der Frage, ob wir denn das Umland von Tanger kennen würden? Am nächsten Tag um 11:00 Uhr saßen wir in seinem Auto und er fuhr uns zum Königspalast und anderen Sehenswürdigkeiten, dann ging es weiter zum wunderschönen Naherholungsgebiet. Von dort aus nahmen wir die Wanderung zum Kap Spartel in Angriff, wohl ein Muss für jeden Touristen. Nach 1 1/2 Stunden kamen wir dort an, mit uns ein Bus voller Japaner. Okay, die Ruhe war dahin, aber die Aussicht war schön. Letztendlich haben wir sechs phantastische Tage in Tanger verbringen dürfen. Dann haben wir uns wieder auf die Drahtesel geschwungen und ab ging es Richtung Chefchaouen.

Chefchaouen, die blaue Stadt

Bis Tétouan war alles in Ordnung, dann wechselten wir auf die Nationalstrasse nach Chefchaouen und der Krieg begann. Kein Seitenstreifen mehr, die PKW’s, LKW’s und Busse erklärten uns für - gefühlt - Freiwild, wir hatten echt Angst um unser Leben. Auf der Suche nach einem Campspot am Nachmittag hatten wir auch kein Glück, denn ein Marokkaner ist immer da, obwohl man denkt, da ist keiner!!!
Also haben wir uns weiter gequält bis zum Abend, um dann in einem Nest, aber mit Gendarmerie, anzufragen, ob wir dort übernachten dürften. Es wurde ein riesen Bohei gemacht. Wir wurden registriert, nach unseren Berufen ausgefragt, danach kamen die Daten unserer Eltern an die Reihe. Wir beide verstanden die Welt nicht mehr. Zum Schluß wurden wir abgeführt, nein, nur hinter das Haus verfrachtet, um dann neben der Verbrennungsstelle für Metall, Alu. etc. unser Zelt aufstellen zu dürfen. Was sagt man dazu? Am 2. Tag wurde die Situation auf der Straße auch nicht besser, eher im Gegenteil. Endlich in Chefchaouen angekommen, fanden wir dann ein kleines, aber feines Appartement. Zum Glück mit Gasherd, den wir anschmeißen können, sonst würden wir uns den Hintern hier abfrieren. Jetzt müssen wir mal überlegen, wie es weiter geht…

Blaues Tor in Chefchaouen